Heilfasten
Heilfasten ist eine sehr alte Heilmethode. Heilfasten kann sowohl gesundheitliche, als auch religiöse Gründe haben. Schon vor Jahrhunderten wurde das Heilfasten in Klöstern durchgeführt, um sich körperlich und seelisch zu reinigen. Heute wird Heilfasten meist als Frühjahrsputz für Körper, Geist und Seele verstanden.
WAS IST HEILFASTEN?
Unter Heilfasten versteht man den zeitlich begrenzten Verzicht auf Nahrung und Genussmittel. Meist handelt es sich dabei um eine Kur über einen kurzen Zeitraum. Üblich ist eine Fastenzeit von 1-2 Wochen. Während des Heilfastens wird in der Regel auf feste Nahrung verzichtet. Eine reichliche Flüssigkeitszufuhr in Form von Gemüsebrühe oder zuckerfreien Tees sorgt dafür, dass Stoffwechselprodukte ausreichend ausgeschieden und der Darm regelmäßig entleert wird.
WELCHE ZIELSETZUNG HAT EINE FASTENKUR?
Die Zielsetzung beim Fasten ist in erster Linie die Entschlackung und Entgiftung des Organismus. Durch den Nahrungsverzicht soll der überlastete Stoffwechsel entlastet werden. Dabei werden belastende und krankmachende Stoffwechselprodukte abgebaut. Der Körper kann sich von übermäßig aufgebauten Reserven erholen. Das Heilfasten reduziert zudem entzündliche Prozesse im Organismus und lindert unterschiedlichste Beschwerden.
In vielen Fällen wird auch eine Gewichtsabnahme beim Fasten angestrebt. Dies sollte aber nicht die vorderste Zielsetzung einer Heilfasten Kur sein. Die Entgiftung des Patienten steht immer im Vordergrund. Oftmals wird sie zur Vorbereitung der Änderung des Lebensstils und der Art der Ernährung angewandt.
DURCHFÜHRUNG DES FASTENS
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten und Methoden für das Heilfasten. Es sollte möglichst unter Anleitung durchgeführt werden. Es gibt inzwischen zahlreiche Kliniken, die Heilfasten anbieten. Wenn Sie lieber zu Hause fasten, sollten Sie gegebenenfalls vorher Ihren Arzt konsultieren oder bereits Erfahrungen mit Fastenzeiten haben. Nur ein gesunder Körper verträgt einen längeren Verzicht auf feste Nahrung gut. Beim Heilfasten gibt es zudem einiges zu beachten. Nachfolgend ein paar Tipps für ein Gutes Gelingen Ihrer Heilfastenkur:
Heilfasten Anleitung:
Zunächst ist es wichtig, einen geeigneten Zeitraum für das Heilfasten festzulegen. Sie sollten beim Fasten genügend Ruhe und Freiraum sowie Zeit für Entspannung und Bewegung haben. Heilfasten ist definitiv nicht geeignet für stressige Zeiten in Job oder im Familienleben. Die Fastendauer wird immer individuell festgelegt. Bewährt haben sich Fastenkuren, die etwa 1-2 Wochen dauern.
Strenges Heilfasten ist heutzutage eher unüblich und teils umstritten. Der Grund: Der Körper wird durch totalen Nahrungsverzicht übermäßigem Stress ausgesetzt. Zudem setzt der Organismus beim Fasten Giftstoffe aus den Fettzellen frei, die sich ungünstig auf den gesamten Körper auswirken. Aus diesem Grund haben sich inzwischen sanftere Varianten durchgesetzt. Die beliebtesten sind das Heilfasten nach Otto Buchinger sowie das Saftfasten, welche nachfolgend beschrieben werden:
Heilfasten nach Buchinger:
Das Heilfasten nach Buchinger ist eine der bekanntesten Methoden des Heilfastens. Sie geht auf den deutschen Arzt Otto Buchinger zurück. Er entwickelte eine Fastenform, die sich sowohl zur Erhaltung der Gesundheit, als auch zur Therapie vielerlei Beschwerden eignet.
Schon einige Tage vor Beginn der Fastenkur wird beim Essen auf leichte Kost umgestellt, um den Organismus einen schonenden Einstieg in das Fasten zu bereiten. Nach diesen so genannten Entlastungstagen, starten die eigentlichen Fastentage mit einer Darmentleerung. Hierfür hat sich die Einnahme von Glaubersalz bewährt, das abführend wirkt. Das bitter-schmeckende Salz ist reines Natrium-Sulfat und wird stark verdünnt mit Wasser eingenommen.
Flüssigkeit und Bewegung - das A und O bei Buchinger
Bei Heilfasten Kuren nach Buchinger sollten Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Üblich ist eine Mischung aus stillem Wasser, Gemüsebrühe sowie zuckerfreien Tees, die aber mit Honig gesüßt werden dürfen. Erlaubt sind übrigens auch frisch zubereitete Obst- und Gemüsesäfte. Das Trinken von 2-3 Liter Flüssigkeit pro Tag ist empfehlenswert. Dies dient nicht nur dem Flüssigkeitshaushalt, sondern verhindert auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen oder Kreislaufprobleme, die durch das Fasten entstehen können. Darüber hinaus ist die Darmpflege ein wichtiger Bestandteil der Reinigung. Etwa alle zwei Tage sollte der Fastende einen Einlauf vornehmen.
In der gesamten Fasten Zeit nach Buchinger wird kein festes Essen zugeführt. Auf das Trinken von Alkohol, schwarzen Tee und Kaffee sowie auf Nikotin wird generell verzichtet. Beim Heilfasten nach Buchinger ist darüber hinaus eine leicht sportliche Betätigung gewünscht, welche mit ausreichenden Ruhephasen kombiniert wird. So wird dem Abbau von Muskulatur (Eiweiß) entgegen gewirkt.
Die Nachfastenphase
Wichtig ist übrigens auch ein bedachtes Vorgehen beim Fastenbrechen - also bei der Nachfastenphase. Hier sollte der Fastende Geduld beim Wiederaufbau der Kost mitbringen. Der Darm muss möglichst schonend wieder an Nahrung gewöhnt werden. Auch in dieser Phase ist also noch Verzicht angesagt. Am besten fängt man erstmal mit leicht gewürzten Suppen an und geht dann vorsichtig auf gedünstetes Gemüse über. In der Regel sagt man, dass das Nachfasten etwa halb so lang sein sollte, wie das eigentliche Fasten.
SAFTFASTEN
Saftfasten ist eine sanftere Form, bei der nicht komplett auf Nahrung verzichtet wird. Feste Nahrung ist nicht erlaubt, aber das Trinken von Säften. Beim Fasten nimmt der Fastende - zusätzlich zu den 2 Litern Flüssigkeit (Wasser, Tee) noch 1-1,5 Liter Saft aus Obst und Gemüse zu sich. Dieser sollte nur die Fruchtsüße und keinerlei zusätzliche Süßungsmittel enthalten. Die Fruchtsäfte werden über den Tag verteilt in kleinen Schlücken getrunken. Beim Saftfasten wird also eine geringe Menge an Energie täglich zugeführt. Saftfasten ist zwar kein klassisches Heilfasten, jedoch profitiert der Körper von der Vitamin- und Mineralstoffzufuhr. Außerdem wirken Gemüse- und Fruchtsäfte basisch und steuern der Übersäuerung des Körpers entgegen.
TEEFASTEN
Teefasten ist eine strenge Form des Fastens. Es eignet sich vor allem zum Entgiften. Wichtig ist es, ökologische Teesorten auszuwählen, damit eventuelle Zusatzstoffe bei herkömmlichen Supermarkt-Sorten den Körper beim Entschlacken nicht belasten. Teefasten ist für Fasteneinsteiger nicht geeignet, da das radikale Fasten sehr viele Giftstoffe innerhalb kürzester Zeit aus dem Körper freisetzt. Die Folge ist, dass die Nebenwirkungen sehr groß sind und der Organismus stark belastet wird.
Wann ist Heilfasten empfehlenswert?
Fastenkuren sind bei vielerlei Beschwerden und Krankheiten unserer westlichen Überflussgesellschaft empfehlenswert. Fasten dient in erster Linie der Regeneration des Körpers und der Förderung der Gesundheit. Bei der Entschlackung und Entgiftung werden Abfallprodukte des Organismus abtransportiert, die sich im Körper ansammeln und dabei Entzündungen und andere Probleme verursachen.
Eine Fastentherapie kann bei folgenden Indikationen hilfreich sein: Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen, bei Hauterkrankungen, allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, Asthma und erhöhter Anfälligkeit für Infekte und Entzündungen. Zudem können Verdauungsprobleme, Störungen des Fettstoffwechsels und Darmerkrankungen mit Fasten begegnet werden. Weitere Indikationen für eine Fastenkur können Migräne und chronische Spannungskopfschmerzen, Schlaflosigkeit sowie chronische Müdigkeit sein.
Bei Fettleibigkeit (Adipositas) wird Heilfasten zum Übergang in eine gesündere und veränderte Lebens- und Essensgewohnheit genutzt. Da Essen nach der Fastenzeit in der Regel bewusster wahrgenommen wird. So ist die Gefahr geringer, in alte Muster zu verfallen.
Wann ist Heilfasten nicht zu empfehlen:
Heilfasten ist ein belastende Zeit für den Menschen. Nicht in jedem Fall ist daher Heilfasten empfehlenswert. Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen könnten einen Kollaps erleiden. Sie sollten definitiv vorab ihren Arzt konsultieren, um die Eignung einer Fastenkur für sich abzuklären. Gleiches gilt bei folgenden Erkrankungen: Diabetes Typ 1, Nieren-Erkrankungen, Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, bei Krebs und schweren Infektions- oder Autoimmunkrankheiten.
Für Menschen, die an Bulimie, Essstörungen, unter Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, ist Fasten nicht geeignet. Gleiches gilt für Schwangere, Stillende oder für Kinder und Heranwachsende.
Wie wichtig ist eine Fastenklinik zum Fasten?
Bei Diabetes mellitus Typ 2 oder bei Gicht ist stationäres Heilfasten in einer Fastenklinik mit intensiver Betreuung durch einen Fastenarzt definitiv einem Alleingang zu Hause vorzuziehen. Gerade bei Menschen mit chronischen oder schwerwiegenden Krankheiten ist eine permanente Betreuung beim Fasten wichtig. Insbesondere kann es notwendig sein, während des Heilfastens die Medikamentendosis des Patienten anzupassen. Oftmals müssen zusätzlich bestimmte Nährstoffe während des Heilfastens zugeführt werden. Diese Informationen kann man sich nur schwer alleine aneignen. Hierfür ist es besser, von guten und erfahrenen Ärzten betreut zu werden.
Kosten einer Heilfasten Kur
Die Kosten für therapeutisches Heilfasten werden nur in Ausnahmefällen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
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Wirkung auf den Körper
Zwar wird von Ärzten und Ernährungsexperten oftmals vor den negativen Folgen gewarnt, jedoch werden dem Heilfasten zahlreiche positive Wirkungen zugeschrieben. Sind Sie aktuell am Heilfasten interessiert? Dann sollten Sie sich über Intention und Wirkung einer Fastenkur bewusst sein.
Generell ist das Abnehmen beim Heilfasten ein angenehmer Nebeneffekt, die eigentliche Intention ist eine Umstimmung des Menschen auf körperlicher und seelischer Ebene. Dies hat wiederum positive Auswirkungen durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Menschen. Dies funktioniert insbesondere dann, wenn der Körper auf den Hungerstoffwechsel umschaltet. Dabei starten die Zellen mit einem Selbstreinigungsprogramm - der so genannten "Autophagie". Der Körper nutzt dabei defekte Proteine oder fehlerhafte Zellelemente als Brennstoff. Autophagie ist quasi ein natürlicher Prozess der Zellerneuerung, Zellreinigung und Zellregeneration.
Biochemische Vorgänge lösen Schlacken
Beim Fasten finden außerdem unterschiedliche biochemische Vorgänge statt: Neben der Verringerung des Säuregehalts des Magensafts, wird die Gallensaftproduktion zunächst verstärkt und dann verringert. Die Verdauungssäfte normalisieren sich im Laufe der Kur. Die anfängliche Einnahme von Glaubersalz bewirkt eine Reinigung der Darmzotten. Dies begünstigt die spätere Aufnahme und Weiterleitung von Nährstoffen im Darm.
Im Laufe der ersten Fastentage beginnen Darm und Nieren mit der Ausscheidung eingelagerter Stoffe (Schlacken), die aus dem Bindegewebe herausgelöst werden. Dazu zählen unter anderem Salze, Harnstoffe und Cholesterin. Nach einigen Tagen scheiden auch Lunge und Haut stark riechende Stoffwechselprodukte aus.
Insgesamt kommt es zu heilsamen, biochemischen Veränderungen in unserem Körper wie etwa einem verbesserten Zucker- und Fettstoffwechsel.
Nebenwirkungen des Fastens
In den ersten Fastentagen ist ein verstärktes Hungergefühl zu verspüren. Das ist ganz normal und vergeht im Laufe der Fastenzeit. Beim Heilfasten nach Buchinger darf man übrigens auch mal zu einer nährenden Gemüsebrühe greifen, wenn der Hunger zu groß sein sollte. Oftmals hilft vor allem Ablenkung wie Spaziergänge an der frischen Luft oder ein wohltuendes Bad.
Häufig kommt es am dritten oder vierten Tag zu einer so genannten Fastenkrise. Dies hängt damit zusammen, dass sich unser Stoffwechsel durch den Nahrungsverzicht verschiebt. Blutdruck und Blutzuckerspiegel sinken, der Körper greift auf die Fettreserven zurück.
Typisch sind folgende Symptome: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Herzklopfen, leicht depressive oder aggressive Verstimmung, Blähungen und Mundgeruch. Bei längerem Fasten kann es durch den Eiweißabbau zu Muskelschwund kommen, wenn die Fastenden nicht durch körperliche Bewegung entgegenwirken.
Fasten: Der geschichtliche Ursprung
Heilfasten hat eine Jahrtausende lange Tradition und gilt als eines der ältesten Heilverfahren in der Naturheilkunde. Fastenzeiten gab es schon immer in allen Kulturen und Weltreligionen wie dem Islam oder Christentum. Schon vor Jahrhunderten fasteten vor allem die Mönche in den Klöstern regelmäßig, um sich geistig und seelisch zu reinigen.
Entwicklung der Buchinger-Methode
Als Behandlungsverfahren war es lange Zeit vergessen. Die Therapie des Heilfastens wurde von der medizinischen Forschung und Wissenschaft erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt. Besondere Beachtung kam das 1935 veröffentlichte Buch "Heilfasten" von Otto Buchinger (1878-1966) - noch heute ein Klassiker der Heilfasten Literatur. Der deutsche Arzt und Naturheilkundler heilte sich durch mehrmaliges Heilfasten selbst von einer chronischen Gallenblasen- und Gelenksentzündung. Er eröffnete 1920 eine eigene Klinik, wo er nach der Buchinger-Methode therapierte.
Heute gibt es im deutschsprachigen Raum mehrere Buchinger Fastenkliniken sowie zahlreiche Sanatorien für therapeutisches Heilfasten. Patienten können dort unter Anleitung fasten und werden intensiv durch Ärzte betreut, die auf Ernährung und Heilfasten spezialisiert sind. Die mehrwöchigen Kuren beinhalten meist auch psychologische Gespräche sowie weitere ergänzende Angebote wie Fastenwandern, Meditation und Gymnastik sowie Bewegungen aller Art.